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27.09.08 00:00 Alter: 9 Jahre
Kategorie: News News

Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich

Eine Stellungnahme des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch (BKiD)


Eine Stellungnahme des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch (BKiD)
Auf der Tagung des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD) am 26./27.09.2009 in Frankfurt beschäftigte sich der Verband mit dem Gutachten „Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich“, das am 9.9.2008 auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin vorgestellt wurde.

BKiD begrüßt die Initiative der Autoren und der Autorin, die Mehrlingsrate nach reproduktionsmedizinischer Behandlung deutlich zu senken, allerdings fehlt in dem Gutachten die Einbeziehung der besonderen Bedeutung psychosozialer Beratung.

BKiD hat sich in den letzten Jahren wiederholt mit den gesundheitlichen und psychosozialen Folgen der Mehrlingsschwangerschaften für Mutter, Kinder und die zukünftige Familie auseinandergesetzt. Daher unterstützen die Berater und Beraterinnen Bestrebungen, mit einer Zulassung des elektiven Single Embryo Transfers (eSET) in Deutschland als einer zusätzlichen Möglichkeit, die Mehrlingsrate deutlich zu reduzieren und die Entscheidungen zum Fetozid überflüssig zu machen. Dabei muss sehr ernst genommen werden, dass die Methode, die die Auswahl des optimal entwickelten Embryos, die Kryokonservierung und ein Verwerfen früher Embryonen beinhaltet, nur durch das Ziel gerechtfertigt werden kann, erhebliche Belastungen für die Kinder und das Paar abzuwenden. Da in der Bevölkerung sehr unterschiedliche Einstellungen zur Wertigkeit des frühen Embryos bestehen, kann die Entscheidung zum eSET nur eine individuelle Entscheidung der zukünftigen Eltern auf dem Hintergrund bestmöglicher Aufgeklärtheit sein. Wir fordern daher, dass vor eSET (wie vor jeder reproduktionsmedizinischen Maßnahme) der Patientin und ihrem Partner zusätzlich zur ärztlichen Information und Aufklärung eine unabhängige Beratung verbindlich angeboten wird, die psychosoziale und ethische Aspekte einschließt. Dieses Angebot muss auch während und nach der Behandlung gewährleistet sein.

Weiterhin unterstützt BKiD die Forderung der Installierung einer regulierenden Bundesbehörde für Fortpflanzungsmedizin. Darin sollten (z. B. nach dem Vorbild der englischen HFEA) Fachorganisationen für psychosoziale Beratung, Bioethiker und Patientenorganisationen mit eingebunden sein.

Für ein neues, modernes Fortpflanzungsmedizingesetz fordert BKiD unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen die Gleichstellung von verheirateten und in fester Partnerschaft lebenden Paaren. Dies betrifft die üblichen Verfahren wie IVF und ICSI, als auch die Möglichkeit der Behandlung mit Spendersamen per Insemination und IVF.

BKiD unterstützt die Forderungen des Gutachtens, Rechtssicherheit bezüglich der Samenspende zu schaffen und eine zentrale Dokumentationsstelle mit Meldepflicht einzuführen. Dabei ist das Grundrecht jedes Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung, die wirtschaftliche Absicherung des zukünftigen Kindes, das psychosoziale Wohl der zukünftigen Familie und die Rechtssicherheit des Samenspenders zu berücksichtigen. Die besondere Bedeutung der psychosozialen Beratung vor und nach Gametenspende muss dabei berücksichtigt werden. Daher ist ein qualifiziertes psychosoziales Beratungsangebot für die Wunscheltern, den Samenspender und das so gezeugte Kind gemäß den Leitlinien von BKiD unbedingt anzubieten.

Frankfurt/Main, den 27. September 2008

Für den Vorstand von BKiD e.V.: Dorothee Kleinschmidt (Bochum)