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28.09.05 06:48 Alter: 12 Jahre
Kategorie: News News

Wenn das Risiko Realität wird

Pressemitteilung vom 28.09.2005


Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD e.V.) beschäftigt sich auf seiner 11. Tagung im September 2005 in Frankfurt am Main mit der Problematik von Mehrlingsschwangerschaften und der Wichtigkeit frühzeitiger Einbindung von psychosozialer Beratung in die medizinische Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit.

Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland setzt sich zusammen aus zertifizierten psychosozialen Beratern und Beraterinnen, die in besonderer Spezialisierung Paare mit unerfülltem Kinderwunsch begleiten.

Die Feststellung einer höhergradigen Schwangerschaft nach reproduktionsmedizinischer Behandlung stellt für Eltern, Ärzte und Ärztinnen, Berater und Beraterinnen eine enorme Herausforderung dar. Obwohl im Rahmen der vorgeschriebenen Aufklärung das statistische Risiko benannt wird, trifft das Ergebnis die meisten Paare vollkommen unvorbereitet. Neben den medizinischen Risiken wie Fehlgeburt, Frühgeburtlichkeit und das Risiko von Behinderungen bei den geborenen Kindern werden die psychischen Belastungen oft deutlich unterschätzt, so Petra Thorn, 2. Vorsitzende von BKiD, Sozialarbeiterin und Familientherapeutin aus Mörfelden: Chronische Erschöpfung und Überforderung, eine höhere Trennungsrate betroffener Eltern und die Neigung zu Depressionen u. a. der Mütter, machen eine intensive Begleitung von Beginn an notwendig.

Einen Ausweg scheint hierfür der selektive Fetozid zu bieten, die sogenannte „Reduzierung“ der Schwangerschaft. Dieser wirft jedoch neue Fragen auf. Welcher Fetus wird „reduziert“? Wie können Paare einen „selektiven Schwangerschaftsabbruch“ verarbeiten, obwohl sie sich so sehr Kinder wünschen? Mit diesen Fragen dürfen Paare nicht allein gelassen werden und sollen daher verstärkt auf die Möglichkeit einer fundierten Beratung aufmerksam gemacht werden.

Kritik übt BKiD an der derzeitigen Praxis der Beratung vor, während und nach der Durchführung von reproduktionsmedizinischen Verfahren. In den Richtlinien der Bundesärztekammer wird gefordert, dass dem Paar eine kompetente Beratung über dessen mögliche psychische Belastung und die für das Wohl des Kindes bedeutsamen Voraussetzungen zuteil wird. Fakt ist, dass der größte Teil der Paare über die angewandten Methoden, über körperliche Risiken, Erfolgsaussichten etc. im Rahmen der medizinischen Aufklärungspflicht beraten wird. Psychosoziale Aspekte der Behandlung werden allerdings oft nur am Rande erwähnt. BKiD fordert die zwingende Einbindung der psychosozialen Beratung durch dafür qualifizierte Fachkräfte in den gesamten Behandlungsverlauf. Hierfür entwickelt BKiD aktuell Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei assistierter Reproduktion, die Ende des Jahres vorgestellt werden.

Über die positiven Auswirkungen der Integration psychosozialer Beratung in den gesamten Behandlungsverlauf berichtete auf der Tagung Karin Werdehausen, psychologische Beraterin an einem reproduktionsmedizinischen Zentrum in Essen. Das niederschwellige und kostenneutrale Angebot ermöglicht es vielen Paaren, rechtzeitig Unterstützung und Begleitung in Anspruch zu nehmen. Wirksame Bewältigungsstrategien für psychologisch und sozial problematische Situationen können hierbei erarbeitet und somit das Wohl der so gezeugten Kinder und der gesamten Familie bedacht werden.