Kommentierte Literaturliste von BKiD - alphabetisch nach AutorInnennamen sortiert, wird fortlaufend ergänzt - Die Rezensionen stellen die Meinung der RezensentInnen dar und nicht die von BKiD

Carrie Adams: „Patin gesucht“, Ullstein Taschenbuch, 2008, 7,95 Euro

Leicht eingängiger Roman über die Suche nach Perspektiven einer kinderlosen Mitdreißigerin

Der Roman „Patin gesucht“ der englischen Autorin Carrie Adams spielt in der Londoner Society. Ich-Erzählerin ist die Mitdreißigerin Tessa, die aus ihrer Sicht von sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen ihrer Generation erzählt. Sie selbst ist die ewige Patin, beste Freundin vieler, selbst aber noch auf der Suche nach dem richtigen Partner und voller Angst, den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen zu verpassen. Neben ihrem eigenen, noch unkonkreten, Kinderwunsch beschreibt sie auch die intensive Kinderwunschbehandlung einer ihrer Freundinnen incl. dramatischer Fehlgeburt. Die Kinderwunschthematik ist dennoch nicht das allumfassende Thema des Romans, aus Sicht Tessas werden vielmehr sehr unterschiedliche Lebensmodelle vorgestellt: Eine dreifache Mutter in Langzeitbeziehung, eine berufstätige alleinerziehende Mutter, die mit ihrer Trennung hadert, eine überforderte Mutter von Zwillingen mit untreuem Ehemann, eine glückliche Beziehung mit unerfülltem Kinderwunsch, ein bewusst kinderloses Paar und eben Tessa selbst, die nach einem Weg für sich sucht. Sehr positiv daran ist, dass Vor- und Nachteile, das Auf und Ab aller Lebensformen beleuchtet werden ohne ein Lebensmodell als das Überlegene herauszustellen. Sicher keine hochwertige Literatur, aber empfehlenswert für Frauen, die nicht nach Ratgebern, sondern nach Unterhaltung suchen, in der sie sich auch wiederfinden wollen (Doris Wallraff © 2010).


  • Andreas Bernard: "Kinder machen", S. Fischer, 24,99 Euro

Andreas Bernard legt mit seinem gerade erschienen Buch „Kinder machen“ ein insgesamt sehr lesenswertes und in weiten Teilen gut recherchiertes und detailreiches Werk vor.
Das Buch beginnt mit einer historischen Darstellung der Erforschung der Zeugungsvorgänge an Menschen und Tieren und den damit verbundenen Vorstellungen von der Zeugung menschlichen Lebens, beginnend mit den Aristoteleschen Lehren bis heute. Dieser geschichtliche Exkurs erscheint zunächst etwas langatmig, ist in dieser Ausführlichkeit aber notwendig, da Bernard im weiteren Verlauf des Buches immer wieder Querverbindungen zu historischen Konzeptionsvorstellungen zieht.
Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Samenspende. Auch hier beschäftigt sich der Autor ausführlich mit der historischen Anwendung und Entwicklung dieser Methode. Verschiedene Fragestellungen, wie die nach der Aufklärung der so entstandenen Abkömmlinge oder der Menge an Information, die die Wunscheltern oder die mittels Samenspende gezeugten Kinder über den Spender erhalten, werden aus dem historischen Kontext heraus beantwortet.
Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit der Leihmutterschaft sowie der Eizellspende. Auch hier wird die Problematik an Hand einiger historischer Rechtsstreitigkeiten aufgearbeitet, bevor die heutige Situation, insbesondere in den USA und Osturopa geschildert wird.
Ein letzter, sehr kurzer Abschnitt fasst die vorgenannten Positionen zusammen und setzt das Entstehen neuer Familienstrukturen durch die Reproduktionsmedizin in den Kontext der historischen Entwicklung der (Klein)Familie.
Der historische Ansatz des Buches ist insofern interessant, da der Autor verschiedene, der Reproduktionsmedizin entgegengebrachte Vorurteile auf tradierte Vorstellungen, wie beispielsweise die Einschachtelungstheorie zurückführt und somit teilweise auch ad absurdum führt. (Für mich persönlich war beispielsweise besonders interessant, dass die führenden Gynäkologen sowie das politische Führungspersonal des dritten Reiches offenbar strikt gegen jegliche Formen der künstlichen Befruchtung eingestellt waren und jede positive Eugenik – im Gegensatz zur exzessiv betriebenen negativen Eugenik – ablehnten. Genau die selben Gynäkologen lehnten lt. Bernard in den 40er und 50er Jahren dann weiterhin jede Form der Reproduktionsmedizin ab, allerdings mit dem Argument, man habe während der NS-Zeit ja gesehen „wohin das führe“.)
Insgesamt ist das Buch flüssig geschrieben und angenehm zu lesen. Allerdings stellt der Autor teilweise Extrembeispiele als Normalität dar (wie die Frau mit 15 ICSI-Versuchen) oder verzichtet auf das korrekte Darstellen von Fakten (die California Cryobank hat mitnichten nur normalgewichtige Spender mit außergewöhnlichen Begabungen und mindestens einem Bachelor-Abschluss) zugunsten einer pointierteren Darstellung seiner Argumentationslinien.
Als Kritik bleibt außerdem anzumerken, dass der Untertitel „neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie“ etwas irreführend ist. Der Autor diskutiert zwar an Hand verschiedener historischer Präzedenzfälle inwieweit Elternschaft genetisch, durch das Austragen eines Kindes oder durch „Intention“ begründet sein kann. Wer jedoch eine psychologisch-systemische Analyse der neu entstandenen Familienmodelle sowie der Rollen der einzelnen „Protagonisten“ erwartet wird enttäuscht werden (© Judith Zimmermann 2014).


Ben Elton: „Seitensprünge“, Goldmann, 2001, gebraucht erhältlich

Kinderwunsch – wenn man trotzdem lacht

Es gibt den schönen Satz: „Humor ist die klügste Art, mit Verzweiflung umzugehen“. Nach diesem Motto ist der Tagebuch-Roman des englischen Comedy-Stars Ben Elton ausgerichtet. In zwei parallel verfassten (freilich erfundenen) Tagebüchern lässt der Autor abwechselnd sein Alter Ego Sam und dessen Frau Lucy zu Wort kommen und zeigt so eine typisch männliche und eine typisch weibliche Perspektive auf die Sorgen und Nöten eines Paares mit jahrelang unerfülltem Kinderwunsch. Lucy schreibt von ihrer Sehnsucht nach einem Kind und all ihren Versuchen, diese Sehnsucht zu stillen, von spirituellen Ritualen über Selbsthilfegruppen bis zur Laparaskopie und unvermeidlichen IVF-Behandlung. Sam hätte zwar auch liebend gern ein Kind und ist gerne bereit, alles dafür zu tun, kann jedoch nicht ganz verstehen, weshalb dies der einzige Weg sein soll um glücklich zu werden. Folglich schreibt Sam in sein Tagebuch nicht nur über seine Gefühle sondern auch über seine Arbeit. Der Leser erfährt so, wie Sam sich in immer größere Bedrängnis bringt, indem er seine eigene Geschichte ohne das Wissen seiner Frau als Film vermarktet. Das Buch ist ebenso sehr eine Beziehungs- wie eine Kinderwunschgeschichte, spannend, unterhaltsam und an vielen Stellen wirklich lustig. Wenn Sam z.B. über seine Anstrengungen, eine „anständige Samenprobe zustande zu bringen“ schreibt, ist das einfach komisch und es steckt viel Wahrheit in seinen ironischen Bemerkungen. Trotz aller Klischees und teilweise giftigem Humor gelingt es dem Autor weitgehend, verständnisvoll und berührend mit dem Thema umzugehen. Sicher können Menschen, die selbst betroffen sind, nicht in jeder Phase etwas mit diesem sehr speziellen Buch anfangen, es kann jedoch ein Weg sein, die eigenen Probleme auch einmal von einer anderen Perspektive zu betrachten und Lachen tut bekanntlich gut (Doris Wallraff © 2011).


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Tanja Fredersdorff: „Johanna und Olivia“, Verlag Harmut Becker, 2008, 12,80 Euro

Sehr persönlicher Erfahrungsbericht der Kinderwunsch-Zeit mit positivem Ausgang 

In diesem Erfahrungsbericht beschreibt die Erzählerin Tanja Fredersdorff ihre persönliche Geschichte in chronologischer Abfolge vom Kennenlernen ihres Mannes bis zur Erfüllung ihres Kinderwunschs in gleich zweifacher Weise: „Johanna“ ist ein Adoptivkind, „Olivia“ mittels Spendersamenbehandlung entstanden.Das hier beschriebene Paar muss sich von Anfang an mit der Tatsache einer völligen Zeugungsunfähigkeit des Mannes arrangieren, die Erzählerin weiß also bevor sie sich für die Partnerschaft entscheidet, worauf sie sich einlässt. Um ein Kind zu bekommen, bleiben dem Paar nur zwei Alternativen: eine Spendersamenbehandlung und eine Adoption. Beide Möglichkeiten werden beschrieben, allerdings ohne dass die Unterschiede hervorgehoben werden oder eine kritische Auseinandersetzung mit den psychischen Auswirkungen auf alle Beteiligten stattfindet. So erfährt man nur wenig über die individuellen Sorgen und Ängste diesbezüglich. Obwohl das Ende ja bekannt ist, ist das Buch durchaus spannend, und leicht zu lesen. Die Autorin beschreibt stellenweise sehr detailliert, etwa von den Mühen, die Kinderwunschbehandlung in den Alltag zu integrieren und den zahlreichen emotionalen Höhen und Tiefen.Sehr eindrücklich schildert Tanja Fredersdorff beispielsweise, wie sich eine Insemination mal wieder unvorhergesehen zeitlich verzögert und sie deshalb in höchste organisatorische Bedrängnis gerät (zumal sie, wie die meisten Betroffenen, ja nicht mit jedem offen über ihre Kindewunschbehandlung reden möchte). Sie schreibt: „Ich war zwar erleichtert, dass ich das Problem regeln konnte, doch mit den Nerven war ich fix und fertig… Was mir bei der ganzen Aktion vor allem durch den Kopf ging, war, dass ich mir Sorgen gemacht hatte, dass sich dieser Stress vielleicht negativ auf die noch anstehende Insemination auswirken könnte oder auf die Befruchtung und Einnistung des Eis.“ Überflüssig sind hingegen an manchen Stellen allzu ausführliche Beschreibungen und die zahlreichen Angaben von Daten, die für den Leser ohne Bedeutung bleiben. Im Vordergrund der Erzählung steht neben dem Alltag ihrer Kinderwunschzeit und ihren eigenen Gefühlen und Gedanken die äußerst innige und tragfähige Beziehung zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Mann Lars. Viele Dialoge der beiden werden wörtlich wiedergegeben – das zeigt, wie wichtig es für Paare in einer so belastenden Situation ist, miteinander in Kontakt zu bleiben und auch über ihre möglicherweise schmerzhaften Gefühle und Gedanken zu sprechen. Leider klingen die Dialoge im Rückblick aufgeschrieben stellenweise etwas unnatürlich und gestelzt. Sie geben aber dem Blickwinkel des Mannes Raum und so erfährt man auch viel über die Belastungen von Lars, der vor allem immer wieder darunter leidet, dass er seiner Frau durch seine Unfruchtbarkeit so viele psychische und körperliche Schmerzen bereitet und oft nicht weiß, wie er sich verhalten soll. So sagt er an einer Stelle: „Wir stehen ständig unter Druck und sind beide völlig angespannt. Wir unterhalten uns fast über nichts anderes mehr als über die Kinderwunschbehandlung. Dir geht es körperlich oft nicht gut, und du bist immer häufiger am Weinen. Mir tut es Leid, dich so zu sehen und selbst nichts machen zu können. Ich weiß manchmal auch nicht, wie oder womit ich dir helfen kann, und habe Angst, etwas Falsches zu sagen. Ich kann dir nicht sagen, ab wann ich mich nicht mehr getraut habe, dir ehrlich zu sagen, was ich empfinde…Ich hatte befürchtet, dass du vielleicht denken würdest, mir sei unser Kinderwunsch nicht mehr so wichtig.“ (Doris Wallraff © 2010)


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Arthur Kermalvezen „Ganz der Papa! Samenspender: unbekannt“, Patmos-Verlag, 2009, 19,90 Euro

Plädoyer gegen die Anonymität von Samenspende eines erwachsenen „Di-Kindes“

Der französische Autor Arthur Kermalvezen möchte mit diesem autobiographischen Buch sehr konkret auf die Situation so genannter „DI-Kinder“ aufmerksam machen. Auch er selbst ist ein „DI-Kind“, d.h., er wurde mittels anonymer Samenspende (DI für Donogenen Insemination) gezeugt, ist inzwischen aber erwachsen und engagiert sich als Sprecher des französischen Vereins PMA für die Belange von „DI-Kindern“. Arthur Kermalvezen erzählt von seinem Leben, das stark geprägt davon istzu wissen, dass er durch eine Samenspende entstanden ist, aber keine Chance zu haben, seine genetischen Wurzeln kennenzulernen. Folglich ist Kermalvezens dringendstes Anliegen, die in Frankreich bis dato gängige Praxis der staatlichen Samenbanken („CECOS“) anzuprangern, die DI-Kindern nicht ermöglicht, etwas über ihren Spender zu erfahren. Er plädiert dafür, dass jedes DI-Kind ebenso wie Adoptivkinder das Recht haben muss, seinen genetischen Ursprung zu erfahren und die Möglichkeit, seinen Spender kennenzulernen. Er argumentiert in erster Linie damit, dass zu einer psychisch gesunden Entwicklung, zu einer Identität die Kenntnis der biologischen Herkunft unabdingbar ist und man Kindern nicht die Hälfte ihres Stammbaums vorenthalten darf. Arthur Kermalvezen schreibt aus einer sehr persönlichen und eher ungewöhnlichen Perspektive. Im Gegensatz zu den meisten DI-Kindern seiner Generation wurde er schon im Alter von 3 Jahren über seine besondere Zeugung informiert, wusste also immer davon, durfte das Geheimnis aber selbst im weiteren Familienkreis nicht verraten. So fühlte sich der kleine Arthur trotz des Bemühens seiner Eltern mit dem übermächtigen Problem allein gelassen. Sehr eindrücklich schildert Arthur Kermalvezen seine Suche nach Identität. Nicht zu wissen, wer sein Erzeuger ist, ließ ihn beispielsweise ständig befürchten, jeder Mann könnte sein Vater sein, seine Freundin seine Halbschwester. Ungewöhnlich ist außerdem Arthur Kermalvezens psychoanalytischer Hintergrund. Beide Eltern haben sich ebenso wie er selbst jahrelang in psychoanalytischen Therapien intensiv mit sich selbst auseinandergesetzt. Das prägt sein Weltbild in spezifischer Weise. Kermalvezen beschreibt aus seiner Sicht auch die Kinderwunschzeit seiner Eltern, ihre Hoffnungen und warum sie diesen Weg gingen. Kritisch betrachtet wird dabei immer wieder der medizinische Fokus, der viel Hoffnung auf eine Lösung verspricht ohne dass man sich mit den Folgen für alle Beteiligten auseinandersetzen muss. Folgerichtig bezeichnet er sich als „DI-Kind“ auch als „Versuchskaninchen einer wissenschaftlichen Versuchsreihe“. Ausdrücklich betont er hingegen immer wieder, dass er einen Vater hat, dass er nicht nach einem Vater sucht, lediglich nach seiner genetischen Herkunft. Trotz der kritischen Auseinandersetzung mit seinen Eltern und der Tatsache, dass er sie nicht schont und mit seiner Geschichte derart offensiv an die Öffentlichkeit geht, erklärt er sich mit seinen Eltern ausdrücklich einverstanden. Auch wenn er unter der Art und Weise , wie seine Eltern ihm von seiner Herkunft berichteten, zu leiden hatte, so betont er immer wieder, dass jedes DI-Kind über seine Herkunft informiert werden sollte, da eine Geheimhaltung unbewusst ebenso negative Auswirkungen auf die Betroffenen habe. Da jedoch bis heute die meisten Erwachsenen in der Tat nichts von ihrer besonderen Herkunft wissen, lässt sich schwer überprüfen, inwiefern Arthur Kermalvezen auf die psychischen Nöte aller aufmerksam macht. Das Buch ist in jedem Fall für Paare, die über eine Spendersamenbehandlung nachdenken, eher erschreckend. Es kann aber auch dazu beitragen, Zweifelnde von der Wichtigkeit eines ehrlichen offenen Umgangs mit der Thematik zu überzeugen und klarzumachen, dass eine Familiengründung mittels DI lebenslange Auswirkungen für alle Beteiligten hat. (Doris Wallraff © 2010)


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Dorothee Kleinschmidt, Petra Thorn, Tewes Wischmann (Hrsg.): Kinderwunsch und professionelle Beratung. Das Handbuch des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD). Kohlhammer, Stuttgart, 2008, 25 Euro

Ungewollte Kinderlosigkeit: Solide fachliche Beratung

Einigen Schätzungen zufolge ist in Deutschland jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos. Eigene Kinder zu wollen, doch keine bekommen zu können, ist ein weitverbreitetes Problem, und dies ausschließlich als biologische Angelegenheit zu verstehen, greift zu kurz. Jedes Problem mit der Fortpflanzung bringt immer psychosoziale Aspekte mit sich, die neben den somatischen gleichermaßen bewältigt werden müssen. Psychisch bedeutet die Erfahrung eigener Unfruchtbarkeit für die einzelne Person, aber auch für das Paar ein hohes Maß an Ohnmacht, und damit verknüpft sind intensive Gefühle von Trauer, Wut und Neid. Mitunter mündet eine Fruchtbarkeitskrise in Probleme mit der Sexualität, verstärkte Depressivität und erhöhte Ängstlichkeit. Spätestens jetzt stellt sich die Frage nach angemessenen beraterischen und psychotherapeutischen Hilfen. Doch in der Vergangenheit hat es sich leider nur allzu oft gezeigt, dass Helfer mit der erlebten Ohnmacht ungewollter Kinderlosigkeit schlecht umgehen können. Schaut man beispielsweise in ältere psychotherapeutische Fachliteratur, so findet man hier eine lange Tradition der Mythenbildung, der Psychologisierung und Pathologisierung rund um die Kinderlosigkeit. Psychoanalytiker unterstellten den Wunschmüttern zum Beispiel immer wieder pauschal eine unbewusste Abwehr gegenüber der Mutterschaft. Dass Beratung auf solide fachliche Beine gestellt werden kann, belegt das gerade erschienene Handbuch „Kinderwunsch und professionelle Beratung“. Herausgeber sind Autoren vom „Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland“, kurz BKiD, ein Zusammenschluss von Beratern und Therapeuten aus ganz Deutschland, darunter führende Experten wie Tewes Wischmann und Petra Thorn. In 18 Kapiteln wird ein breites Spektrum von Themen vorgestellt. Es reicht von den Ursachen der Unfruchtbarkeit, über die Möglichkeiten, Risiken und Gefahren der Reproduktionsmedizin (zum Beispiel die Problematik von Mehrlingsschwangerschaften), über die sexual- und paartherapeutische Arbeit bis hin zur Adoption und Gametenspende. Sichtbar wird, dass in den letzten Jahren eine Professionalisierung stattgefunden hat. Richtlinien für die Kinderwunschberatung sind entwickelt worden und im Handbuch genauso nachzulesen wie Hinweise auf die Situation in anderen Ländern oder die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Man findet eine Liste von wichtigen Internetseiten und nicht zuletzt ein langes Glossar mit Fachbegriffen. Dieses Buch gibt den nationalen und internationalen Stand des Wissens über Beratung und Therapie bei ungewollter Kinderlosigkeit wieder, und an dieser Markierung sollte man sich als Berater oder Therapeut orientieren. (Claudia Brügge © 2009 Deutsches Ärzteblatt)


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Barbara Schmacke: „Kinderwunsch mit Leib und Seele“, Eigenverlag, 2010, 18 €

Ganzheitliche Begleitung für Kinderwunsch-Paare

Die wichtigste Botschaft dieses „körperorientierten Ratgebers für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch“ ist ein aktiver liebevoller Umgang mit dem eigenen Körper gerade in dieser belastenden Zeit. Barbara Schmacke, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Tiefenpsychologische Körpertherapeutin,geht von einer Einheit von "Leib und Seele" aus und stellt in diesem Begleitbuch die zentralen Gedanken und Methoden ihrer jahrelangen Erfahrung mit Kinderwunsch-Paaren dar. Da sie gemeinsam mit ihrem Mann tätig ist, hat sie ein besonderes Augenmerk auch auf die männliche Perspektive. Kinder zu zeugen und zu gebären, ist ein körperlicher Vorgang. Gelingt er nicht, entstehen bei vielen Menschen negative Gefühle, gerade auch gegenüber ihrem eigenen Körper. Angst und Stress in der Kinderwunschbehandlung können zu einer körperlichen Erstarrung und einer Verkapselung der Gefühle führen, was gerade für eine Erfüllung des Kinderwunsches kontraproduktiv ist. Deshalb betont Frau Schmacke, dass ein körperorientiertes Vorgehen für Betroffene sehr heilsam sein kann, über Berührungen, Massagen, Bewegung, Atmung und innere Bilder lässt sich wieder ein positiverer Zugang zum eigenen Körper und letztlich auch zu sich selbst herstellen. Anhand von sieben Fallbeispielen stellt Barbara Schmacke im zweiten Teil des Ratgebers konkrete Schwerpunkte ihrer Arbeit dar. Sie gibt damit auch einen weitgefächerten Einblick in unterschiedliche Facetten des Kinderwunsches und zeigt, dass Motive für Menschen, die darunter leiden, dass ihr Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, ebenso unterschiedlich sein können wie Lösungen. Barbara Schmacke beschönigt nichts. Obwohl eines ihrer Anliegen ist, mithilfe der körperorientieren Begleitung die Fruchtbarkeit zu verbessern, macht sie keine Versprechen in diese Richtung und unterstützt die Paare umfassend da wo sie sind. Die meisten Betroffenen werden sich in einem der Fallbeispiele wiederfinden. Die Autorin zeigt viele mögliche Aspekte der Kinderwunschthematik, auch schwere Themen wie Totgeburt und Schwangerschaftsabbruch werden besprochen. Der Ratgeber richtet sich in erster Linie an Betroffene. Er soll eine individuelle professionelle psychosoziale Beratung nicht ersetzen,da eine Begegnung nicht durch Lektüre ersetzbar ist, zumal wenn man auch körperlich auf die Menschen eingehen will. Das Buch kann aber dazu anregen, mit manchem anders umzugehen. So enthält das kompakte Begleitbuch auf relativ wenig Seiten zahlreiche Tipps und Denkanstöße für Leib und Seele (Doris Wallraff © 2011).


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Nancy Thayer „Ein Morgen am Meer“, econ-taschenbuch, 1999, nur gebraucht erhältlich

Gefühlvoller Roman über die verzweifelte Sehnsucht einer Frau nach einem Kind

Der Roman „Ein Morgen am Meer“ der amerikanischen Autorin Nancy Thayer beschreibt den intensiven Kinderwunsch einer ansonsten rundum glücklichen Frau im Neuengland der 80er Jahre. In vielfacher Hinsicht entspricht die Situation der Protagonistin Sara nicht der heute in Deutschland ungewollt kinderlosen Frau, Sara lebt zu einer Zeit in der man noch wenig von Reproduktionsmedizin wusste. Umso mehr steht im Vordergrund Saras psychisches Erleben. Sehr eindrücklich wird die Sehnsucht nach einem Baby geschildert, das monatliche Warten auf eine Schwangerschaft, die zunehmende Belastung für die Partnerschaft, das Gefühl zu versagen, den eigenen Ansprüchen nicht genügen zu können und die ständigen Herausforderungen im Umfeld. Die ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Tabu, Sara fühlt sich einsam und hilflos. Sie versucht alles damals mögliche von magischen Ritualen bis hin zur Operation. Emotionen stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Trauer, Neid, Wut, Ärger, Angst. Sara ist ungeduldig und voller Selbstmitleid, sucht aber auch konstruktiv nach Lösungen und stellt sich ihren Emotionen. Parallel zu Saras Kinderwunsch wird in diesem Roman die Geschichte einer wunderschönen Frau erzählt, die sich nicht damit abfinden kann, älter zu werden. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Auch wenn der Roman in mancher Hinsicht altmodisch anmutet, etwa wenn die Schwiegermutter Saras Kinderlosigkeit auf ihre Berufstätigkeit zurückführt, weil eine Frau eigentlich zuhause bleiben sollte, ist vieles, was das emotionale Erleben angeht, zeitlos und sehr einfühlsam erzählt. Der Roman kann Mut machen und auch Frauen, die keinen Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen, zeigen, dass andere ähnlich empfinden. Leider ist der Roman vergriffen und nur noch gebraucht bestellbar (Doris Wallraff © 2010).


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Petra Thorn: Familiengründung mit Samenspende: Ein Ratgeber zu psychosozialen und rechtlichen Fragen. Kohlhammer, Stuttgart, 2008, 22 Euro

Fundierte Informationen

Als Psychotherapeutin, die auch mit Paaren arbeitet, die mit Hilfe einer Fremdsamenspende ein Kind bekommen möchten, kann ich diesen Ratgeber dringlich empfehlen. Die Autorin Petra Thorn geht speziell auf das Erleben der Männer mit ihrer Unfruchtbarkeit und den Auswirkungen auf die Partnerschaft und den Kinderwunsch ein. Paare können anhand vieler Zitate von den Erfahrungen anderer profitieren. Alle Themenbereiche, die für die Entscheidungsfindung eine Rolle spielen, werden angesprochen. Nach dem Eingehen auf das spezielle Erleben der Schwangerschaft, wird das Leben als Familie beleuchtet und Hinweise gegeben, wie Eltern in den verschiedenen Altersstufen mit ihren Kindern über deren Zeugungsart reden können. Die juristischen Rahmenbedingungen in Deutschland und mehrere Erfahrungsberichte runden dieses Buch ab. Neben Betroffenen können auch die professionellen Helfer von diesem Ratgeber profitieren. Berater und Beraterinnen in diesem Feld erhalten Informationen über all die Themenbereiche, die von den Paaren angesprochen werden oder von Seiten der Berater zum Nachdenken angeregt werden sollten. Mediziner können von dem Erleben ihrer Patienten "hinter die Kulissen" erfahren, d.h. hinter den ganzen medizinischen Abläufen und über den Eintritt einer Schwangerschaft hinaus. (Almut Dorn © 2008 Amazon.de)


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  • Tewes Wischmann: "Einführung Reproduktionsmedizin", UTB Reinhardt, 2012, 39,99 Euro

Erstaunlich, wie Tewes Wischmann es schafft, in seinem neuen eher schmalen Buch so viele Aspekte der Kinderwunschbehandlung abzuhandeln. Das Buch wendet sich an einen breiten Kreis: an Studierende der Psychologie und Medizin ebenso wie an Ärzte/Ärztinnen und an Dozenten der Gynäkologie und Psychosomatik. Auch wenn für Frauenärzte/ärztinnen manches bekannt sein dürfte – der Überblick über die Haltung der Religionen zur Fortpflanzungsmedizin, die rechtlichen Bedingungen in Deutschland und europaweit mit der Folge des „reproduktiven Reisens“ und die Darstellung der Richt- und Leitlinien dürfte auch für Experten manches Neue enthalten.
Ein Schwerpunkt des Autors ist die psychosoziale Beratung und das durch Forschung belegte Wissen dazu. Auch wenn inzwischen allgemein Übereinstimmung herrscht, dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch keine seelischen Besonderheiten aufweisen, ist für die Betroffenen belegt: „Zur Bewältigung der Lebenskrise der ungewollten Kinderlosigkeit sind psychosoziale Interventionen wie Beratung und Psychotherapie nachgewiesenermaßen förderlich“.
Für den Ablauf einer solchen Paarberatung gibt es im Buch sehr detaillierte Vorschläge, bis hin zur Empfehlung, schon gleich zu Beginn der Kinderwunschbehandlung mit dem Paar einen „Plan B“ zu erarbeiten, falls der Wunsch nicht in Erfüllung gehen sollte. Eine Erhöhung der Schwangerschaftsrate durch eine entsprechende (begleitende)Beratung konnte allerdings bisher nicht nachgewiesen werden.
Obwohl in Deutschland die psychosoziale Beratung laut allen Leitlinien zum Standard der Kinderwunschbehandlung gehört, sieht die Realität anders aus. So fordert der Autor zu Recht, sie müsse „tatsächlich praktisch umgesetzt werden“. Er geht allerdings nicht darauf ein, wie das finanziert werden soll – ein durchaus wichtiger Aspekt bei der derzeit miserablen Honorierung der Gesprächleistungen im kassenärztlichen Versorgungssystem, für den wir uns als DGPFG immer wieder einsetzen.
Mein Fazit: Der Kauf lohnt sich nicht nur zur Einführung, sondern auch zur Aktualisierung des eigenen Wissens (© Claudia Schumann 2012, www.dgpfg.de)


Tewes Wischmann, Heike Stammer: Der Traum vom eigenen Kind: Psychologische Hilfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Kohlhammer, Stuttgart, 2010, 19,90 Euro

Bester zur Zeit verfügbarer psychologischer Ratgeber

Den AutorInnen ist es gelungen, enorme fachliche Kompetenz mit hoher Anschaulichkeit und Verstehbarkeit für Laien zu verbinden. Es wird differenziert dargestellt, wie und wo psychische Momente beim unerfüllten Kinderwunsch eine Rolle spielen können. Auch werden die wichtigsten reproduktionsmedizinischen Verfahren präzise, knapp und gut verstehbar erläutert. Es findet sich außerdem im Buch ein Glossar aller relevanten Begriffe aus dem Bereich „Bewältigung ungewollter Kinderlosigkeit", viele nützliche Adressen (auch Internet- und Email-Adressen) für betroffene Paare und ein brandaktueller Überblick zur reproduktionsmedizinischen Gesetzeslage in verschiedenen Ländern der Europäischen Union. Immer wieder kommen zudem Betroffene selbst im Ratgeber zu Wort, so dass neben dem vielen fachlich und praktisch Hilfreichen auch ein Einblick in persönliche Betroffenheiten und Gefühlslagen möglich ist. Abgerundet wird das Buch durch 16 Verhaltensratschläge für einen konstruktiven Umgang mit dem unerfüllten Kinderwunsch. Als Fazit lässt sich sagen, dass der vorliegende Ratgeber als sicherlich der zur Zeit beste auf dem deutschen Markt gelten kann. (Matthias Ochs © 2001 Amazon.de)


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Heike Wolter: „Meine Folgeschwangerschaft“, Edition Riedenburg, 2001, 24,90 €

Ermutigendes Begleitbuch für Schwangere nach einem Verlust

Der traumatische Verlust ihrer Tochter Lilly bei deren Geburt hat Heike Wolter so beschäftigt, dass sie nun nach mehreren Erinnerungsalben und einem Bilderbuch für verwaiste Geschwister das erste deutschsprachige „Begleitbuch für Schwangere nach Fehlgeburt, stiller Geburt oder Neugeborenentod“ geschrieben hat. Sie möchte damit Frauen vor und während ihrer „Folgeschwangerschaft“ unterstützen, die verunsichert und ängstlich sind, weil sie bereits ein- oder mehrmals erleben mussten, dass schwanger zu sein nicht automatisch bedeutet, auch ein gesundes Baby im Arm halten zu dürfen. Ausgehend von ihrer persönlichen Erfahrung hat Heike Wolter 34 betroffene Mütter und Väter interviewt. Ihre Geschichten werden im ersten Teil des Buches erzählt, auch im zweiten Teil werden die Betroffenen an passenden Stellen zitiert. Diese unterschiedlichen persönlichen Erfahrungen bieten einen Einblick in sehr verschiedene Erlebnisse und die damit verbundenen Erkenntnisse, so dass sich vermutlich die meisten Leserinnen wiederfinden können. Der zweite Teil des Begleitbuchs beginnt chronologisch mit dem erlebten Verlust und der Frage nach dem Warum. Es werden die häufigsten Ursachen für Fehlgeburten, Totgeburten und Neugeborenentod erläutert. Dann widmet sich das Begleitbuch der Frage, ob man eine neue Schwangerschaft wagen sollte und wie die leidvollen Erfahrungen und die Trauer diese Entscheidung beeinflussen können. Schließlich werden alle Trimester der Folgeschwangerschaft, die Geburt, das Leben mit dem Baby und auch ein erneuter Verlust ausgiebig behandelt. Das Buch richtet sich vornehmlich an Frauen, es kommt aber auch die Perspektive der Väter, Geschwister und des Umfelds nicht zu kurz. Betroffene Frauen erhalten mit diesem Buch tatsächlich Begleitung. Sie sind nicht mehr alleine und sehen, wie normal es ist, dass eine Folgeschwangerschaft eben nicht normal ist, sondern verbunden mit Zweifeln, Ängsten und wechselhaften Emotionen. Schwangere erhalten Verständnis und Anteilnahme. Heike Wolter greift einfühlsam sehr viele Themen, Gedanken und Gefühle auf, die Frauen in einer Folgeschwangerschaft beschäftigen, gibt Anregungen und Tipps, verschweigt auch nicht, dass es für vieles keine Ratschläge gibt und man „einfach durch muss“. Heike Wolter fordert Betroffene ausdrücklich auf, über dieses Buch hinaus Unterstützung anzunehmen, durch die Wahl des passenden Arztes, Hebammen, Psychologen, einfühlsame Freunde und Familie etc. Sie weist auch auf Internet-Foren und Selbsthilfegruppen hin, betont aber, dass bei solchen Kontakten immer die Gefahr besteht, dass man von noch mehr Möglichkeiten hört, wie man sein Baby verlieren kann und so zusätzlich verunsichert wird. Ist jemand dafür besonders empfänglich, lässt sich ergänzen, gilt dasselbe natürlich für dieses Buch. Das Buch ist besonders geeignet für Frauen, die ihren frühen Verlust als Verlust eines Babys erlebt haben, das sie geliebt haben. Für Frauen, die schon zahlreiche Fehlgeburten hatten, jedoch noch nie über das 1. Trimester hinaus schwanger waren, gilt leider nicht immer, dass „die objektive Wahrscheinlichkeit, dass die Schwangerschaft gut geht ungleich höher ist“, wie die Autorin schreibt. Auch können die nicht immer dankbar für die bereits erlebten Monate mit dem Embryo sein oder sich mit dem Bild eines Sternenkinds identifizieren (Doris Wallraff © 2011).


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Birgit Zart: „Gelassen durch die Kinderwunschzeit. Loslassen lernen und empfangen.“ Ariston, 2006

Einfühlsamer und positiver Ratgeber

Bei dem Buch von Birgit Zart handelt es sich um einen einfühlsamen und positiven Ratgeber für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch vor allem im Umgang mit schwierigen Emotionen: Ohnmacht, Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit und geht damit über die üblichen ergriffenen Maßnahmen betroffener Frauen oder Paare hinaus. Der Ratgeber ist nicht nur in mitfühlender und wertschätzender Sprache formuliert, sondern vermittelt auch vom Layout eine spielerische Leichtigkeit. Er bietet dabei eine Fülle verständlich dargestellter Möglichkeiten und konkreter „Übungen“ auf körperlicher, kognitiver, emotionaler oder Verhaltensebene, allein oder als Paar, (z.B. Imaginationen, Rituale, Entspannungs- und Visualisierungsübungen, Selbstexplorationsmöglichkeiten, Anregungen zur verbesserten Selbst- und Paarkommunikation etc.) welche zur psychischen Entlastung und zum Reframing hilfreich, sowie für eine verbesserte positive Selbstwahrnehmung und Verarbeitung von psychischen Belastungen dienlich sind. Dabei können sie helfen, die Zeit der „Kinderwunsch-Krise“ als Wachstumsraum zu nutzen, ohne zu beschönigen oder zu bagatellisieren. Von betroffenen Frauen erhielt ich immer wieder die Rückmeldung, dass sie sich in diesem Buch sehr gut wieder finden, sich verstanden und positiv unterstützt fühlen, auch und besonders in Phasen der Labilität oder Hoffnungslosigkeit. Als besonders wohltuend wurde dabei die Sprache der Autorin gelobt, sowie das Erleben, durch die Lektüre und den Einsatz selbst wählbarer Übungen viel Druck abbauen zu können. Da es hinsichtlich der angebotenen Perspektiven und Übungen vielseitig ist, konnte bisher jede Klientin etwas Positives aus diesem Buch ziehen und für sich persönlich nutzen. Oft wurde das Buch wiederholt zur Hand genommen und in unterschiedlichen Phasen der Auseinandersetzung mit dem Kinderwunsch oder während einer medizinischen Behandlung zur Selbsthilfe genutzt (Bärbel Nellissen © 2011).


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Susanne Zehetbauer „Ich bin eine Frau ohne Kinder – Begleitung beim Abschied vom Kinderwunsch“ Kösel, München, 2007, 14,95 Euro

Einfühlsam geschriebener Ratgeber zum Abschied vom Kinderwunsch

Wie der Untertitel „Begleitung beim Abschied vom Kinderwunsch“ verrät, richtet sich dieser Ratgeber an Frauen, die Unterstützung suchen, wenn sie sich damit auseinandersetzen müssen, dass sich ihr Wunsch nach einem Kind möglicherweise nicht erfüllen lässt. Die Journalistin Susanne Zehetbauer versucht auf einfühlsame Weise, betroffene Frauen da abzuholen, wo sie stehen und ihnen Impulse zu geben, wie sie es schaffen können, ihr Schicksal anzunehmen. Sehr viele betroffenen Frauen kommen zu Wort, in Zitaten und anhand von kurzen Berichten wird viel Gemeinsames deutlich, aber auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Herangehensweisen werden aufgezeigt, so dass die Leserin vieles von sich findet, aber auch neue Ideen und Wege entdeckt. Viele Fragen und Themen, die Betroffene immer wieder beschäftigen, werden angesprochen, vom Umgang mit dem Umfeld und dem Partner, vom Wert einer Frau ohne Kinder, und schließlich auch vom Sinn eines Lebens ohne Kinder. Ein Kapitel setzt sich stark mit Müttern auseinander, der eigenen Mutter, anderen Müttern, der Mutter, die man werden wollte. Ein Abschnitt beschäftigt sich intensiv mit den zentralen Aufgaben in der Lebensmitte und gibt Ideen, wie man die auch ohne eigene Kinder angehen kann. Susanne Zehetbauer sieht den Umgang mit der ungewollten Kinderlosigkeit auch als Chance an, sich mit sich und dem Leben auseinanderzusetzen. Sie schreibt: „Wer Kinderlosigkeit nur als Mangel, als Defizit versteht, sieht nicht, dass es in jedem Leben Ungelebtes und Versäumtes gibt, Träume, die nie verwirklicht wurden. Und er sieht nicht, dass sich um eine Lücke so viel an Vitalität anreichern kann, dass die Lücke selbst zum Reichtum in der Schatzkammer der eigenen Biografie werden kann, weil sie dazu motiviert, das Leben zu gestalten.“ Das dieser Weg jedoch nicht leicht ist und eine lebenslange, immer wieder schmerzhafte Aufgabe bleibt, wird nicht beschönigt. Susanne Zehetbauer bietet zur Unterstützung am Ende jedes Abschnitts „Impulse“ an, Meditationen, Gedanken anregend, entspannend, kreativ. Statt sich „in immer neue Aktivitäten zu stürzen aus dem verzweifelten Wunsch heraus, das zu verändern, was sich nicht verändern lässt“, empfiehlt sie, zur Ruhe zu kommen, und sich, auch spirituell, mit dem auseinanderzusetzen, was ist: „Ich bin machtlos, ich kann nichts tun. Es ist, wie es ist.“ (Doris Wallraff © 2010)- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 

Persönlich ansprechender und Trost spendender Ratgeber

Der Ratgeber beginnt mit der Darstellung der Entwicklung des Mutterbildes (von mythischen Urzeiten bis heute) und leitet über zu den Beziehungen zwischen kinderlosen Frauen und ihren Müttern. Im Zentrum steht dann, vermittelt anhand eindrücklich beschriebener Fälle, die Auseinandersetzung mit der Krise ungewollter Kinderlosigkeit einschließlich der dazu gehörigen Trauerarbeit mit ihren begleitenden intensiven Gefühlen. Mittels vieler Fallberichte und Interviews wird weiter aufgezeigt, wie eine Frau beispielsweise als Tante wichtige Funktionen für Kinder übernehmen kann, oder wie sie auch anders, ohne Kinder, Spuren in der Welt hinterlassen kann. Durchweg fällt die dem Thema angemessene bildhafte und empathische Sprache positiv auf, zudem lässt die Autorin uns teilhaben an ihrer sehr persönlichen Entwicklung. Durch kurze, einfach durchzuführende Imaginations- und Meditationsübungen werden die einzelnen Kapitel aufgelockert und deren Inhalte damit auch praktisch erfahrbar gemacht. Am Schluss wird beschrieben, wie dieses Schicksal letztlich tröstlicher zu bewältigen ist, wenn es in größere Zusammenhänge gestellt erlebt wird. Den Anhang bilden weiterführende Literaturtipps, hilfreiche Adressen und Internetlinks. Ein kleiner Schönheitsfehler: Die verschiedenen Schrifttypen sollen den Text wohl auflockern, stören aber insgesamt doch etwas die Lesbarkeit. Das Buch lebt insbesondere durch die vielen illustrierenden Fallbeispiele, in denen alle Facetten gewollter bzw. ungewollter Kinderlosigkeit aufleuchten, einschließlich der spannungsreichen Konstellation der Verteilung gewollter und ungewollter Kinderlosigkeit auf beide Partner. Die Tatsache, dass in diesen Vignetten die Sicht des männlichen Partners kaum vorkommt, wird durch das Interview mit einem Mann klar entschädigt, in dessen Schilderungen sich bestimmt viele Männer mit eingeschränkter Fruchtbarkeit in ihrem persönlichen Erleben wiederfinden werden. Insgesamt liegt hiermit ein besonderes Buch vor, welches anders als die meisten Kinderwunschratgeber keine Tipps zum Schwangerwerden bereithält, sondern stattdessen dem Anspruch des Untertitels im wahrsten Sinne des Wortes gerecht wird: Es bietet Begleitung beim Abschied vom Kinderwunsch. Auch wenn sich nicht alle Betroffenen in jedem Kapitel gleichermaßen wiederfinden werden (so ist das Kapitel über Spiritualität nicht sofort erschließbar): Es wird jede Leserin und jeder Leser mit Sicherheit etwas persönlich Ansprechendes und konkret Umsetzbares in diesem Trost spendenden Ratgeber für sich entdecken können. (Tewes Wischmann © 2008) 


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