Psychische Belastung bei unerfülltem Kinderwunsch

Paare mit unerfülltem Kinderwunsch erleben ihre Situation häufig als emotional sehr belastend. Das was „das Normalste der Welt ist“, klappt einfach nicht wie doch „bei allen anderen“. Die Lebensplanung scheint nicht zu gelingen und Gefühle von Kontrollverlust nehmen mit jeder erfolglosen medizinischen Behandlung zu.

Erfüllt sich der Kinderwunsch nicht, beginnt häufig für das Paar eine Spirale aus Hoffnung und Enttäuschung. Wenn sich Paare zu reproduktionsmedizinischen Behandlungen entschließen, sind insbesondere die Frauen zusätzlichen hohen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Das bange Warten wird als sehr anstrengend bis hin zu unerträglich erlebt. Wenn es dann wieder nicht geklappt hat oder eine Fehlgeburt eintrat, stehen Verzweiflung und Trauer im Vordergrund. Aber auch Gefühle wie Wut und Neid kommen hinzu, mit denen Paare manchmal schwer umgehen können.

Die Reaktionen der Umwelt werden selten als hilfreich wahrgenommen und können Rechtfertigungsdruck und Trauer auslösen: Typische Fragen von Freunden, Familie oder Kolleginnen wie: Wann bekommt Ihr endlich ein Kind? oder auch „wohlgemeinte“ Ratschläge: „Das wird schon noch“ oder „Ihr müsst entspannter werden, macht erst mal Urlaub“, werden eher verletzend als unterstützend erlebt. Paare, die sich im privaten Umfeld entsprechend unverstanden fühlen, ziehen sich häufig zurück. Der Umgang mit den eigenen Gefühlen und das oft nach außen stark sein müssen kann ein kräftezehrender Balanceakt werden.

Nicht selten tritt eine Vernachlässigung anderer Lebensbereiche ein. Dinge, die vorher Spaß gemacht haben, treten in den Hintergrund und der Kinderwunsch wird immer mehr als zentrale Lebensaufgabe empfunden und gelebt. Mit zunehmender Dauer der erfolglosen Kinderwunschbehandlungen können durch den anhaltenden emotionalen Stress körperliche Reaktionen, Depressionen und verstärkte Ängste entstehen. Diese Lebenskrise kann sich auch belastend auf die Öffnet internen Link im aktuellen Fenster Paarbeziehung auswirken. Oft gehen die Partner mit der Situation unterschiedlich um, was zu Missverständnissen und Kommunikationsschwierigkeiten führen kann. Aber auch die Sexualität leidet häufig.

Bei ungewollter Kinderlosigkeit und den damit verbundenen Belastungen kann es für die Betroffenen sehr entlastend und unterstützend sein, psychosoziale Beratung und Begleitung in Anspruch zu nehmen. Die Beratung dient u.a. zur umfassenden Information über unerfüllten Kinderwunsch, Möglichkeiten des Umgangs mit den Belastungen und als Entscheidungshilfe für ein weiteres Vorgehen. Sie ist auch hilfreich als Begleitung bei reproduktionsmedizinischen Behandlungen und bei der Trauer- und Abschiedsarbeit. Die Beratung ist ergebnisoffen und unterstützt den kreativen und konstruktiven Umgang mit den Herausforderungen des unerfüllten Kinderwunsches.

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