Deutsche Gesellschaft für Kinderwunschberatung

Infos für Mediziner*innen

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Hier finden Sie hilfreiche Tipps und Hinweise für die Unterstützung von Wunscheltern

 

 

Ein unerfüllter Kinderwunsch betrifft meist nicht nur die Frau

Führen Sie die Gespräche wann immer möglich mit beiden Partnern. Auch wenn die Frau meist diejenige ist, deren Körper behandelt wird, so betrifft der unerfüllte Kinderwunsch auch die Männer bzw. die Partnerin bei lesbischen Paaren.

Insbesondere wenn es darum geht, grundsätzlich über weitere Behandlungsschritte zu entscheiden, wenn die Diagnose gravierend oder die weitere Behandlung komplex ist, sollten beide Partner anwesend sein können. Auch zukünftige Solo-Mütter freuen sich oft darüber, jemanden zum Gespräch mitbringen zu können.

Kinderwunschpaare, Frauen und Männer sind wie andere auch, befinden sich aber in einer sehr belastenden Lebenssituation

Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch sind psychisch nicht auffälliger als andere Menschen auch. Der Stresslevel, den eine Kinderwunschbehandlung verursacht, entsprach in Studien dem von Patientinnen unter Chemotherapie. Mit fortdauernder Infertilität kann sich dies dann auch in psychischen Problemen zeigen. Viele Paare berichten über ein unbefriedigendes Sexualleben und vermehrte Depressivität.

Ähnlich wie bei einer Tumortherapie ist es daher sinnvoll, Kinderwunschpatienten bereits zu Beginn der Diagnostik routinemäßig auf die Möglichkeit einer psychosozialen Kinderwunschberatung aufmerksam zu machen. Erfahrungsgemäß erleben Paare es als hilfreich, wenn Sie erläutern, dass Sie sie nicht für psychisch krank halten, sondern wahrnehmen, dass die derzeitige Lebenssituation sehr belastend ist.

The road to hell is paved with „just relax“

Unfruchtbarkeit betrifft viele Paare, sie ist aber bis auf wenige Ausnahmen (in denen beispielsweise der Geschlechtsverkehr zu den fruchtbaren Zeiten bewusst vermieden wird) nicht psychisch verursacht. Dennoch gibt es nach wie vor viele Mythen zum Thema. Vielen Kinderwunschpatienten wird nach wie vor häufig empfohlen, sich „einfach mal zu entspannen“, in den Urlaub zu fahren oder gar attestiert, „Schwierigkeiten mit der eigenen Weiblichkeit/Männlichkeit zu haben“. Es entlastet Ihre Kinderwunschpatienten,wenn Sie von sich aus erläutern, dass die Infertilität nicht durch „psychische Blockaden“ entsteht und dass auch der Ausgang einer Behandlung nicht von der psychischen Verfassung beeinflusst wird. Eine Kinderwunschberatung kann allerdings wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen und verhindern, dass die Paarbeziehung langfristig Schaden nimmt.

Eine gute Kinderwunschberatung die auch die psychosozialen Aspekte mit einbezieht braucht Zeit – und die hat man als Arzt im Praxisalltag nicht.

 

Wohl in kaum einem anderen Fachgebiet der Medizin spielen psychosoziale Aspekte für die Therapie eine so große Rolle wie in der Reproduktionsmedizin. Die Fragen, was beispielsweise eine Gametenspende für die weitere Familiengründung bedeutet und ob sich ein Paar das für sich vorstellen kann, müssen nicht nur medizinische und juristische Aspekte abdecken, sondern auch die individuellen religiösen, familiären und moralischen Vorstellungen des Paares einbeziehen. Mit Paaren, die psychisch stark unter der Kinderwunschbehandlung leiden, müssen Entlastungsstrategien besprochen werden. Hierfür ist im eng getakteten Praxisalltag jedoch kaum Zeit, und vergütet werden diese ausführlichen Gespräche ohnehin nicht.

Psychosoziale Berater*innen können jedoch in aller Ruhe diese wichtigen Fragen mit ihren Patienten besprechen und sind darin geschult, diese auch in schwierigen Situationen, wie beispielsweise bei erfolglosem Behandlungsende, aufzufangen. So kann trotz Zeitdruck des Arztes eine gute ganzheitliche  Behandlungsqualität gewährleistet werden. Bewährt haben sich feste Kooperationen mit BKiD zertifizierten Beratern*innen.

Lieber früher als später

Sprechen Sie von Beginn an mit Ihren Patienten über die Grenzen der assistierten Reproduktion, den Umgang mit Misserfolgen und über die Möglichkeit trotz Behandlung kinderlos zu bleiben. Ihre Erfolgsrate wird dadurch nicht geringer, die Handlungsspielräume Ihrer Patienten erweitern sich jedoch. Es kann auch sinnvoll sein, von Anfang an über einen „Plan B“ zu sprechen.

Und noch eine Bitte zum Schluss: Viele Kollegen machen ihre Patienten erst auf eine psychosoziale Beratung aufmerksam, wenn diese bereits merklich psychisch beeinträchtigt sind. Womöglich muss dann in mehreren Terminen mühsam das aufgearbeitet werden, was ein Beratungsgespräch zu einem früheren Zeitpunkt hätte verhindern können. Der Hinweis darauf, dass eine psychosoziale Beratung helfen kann eine Behandlung besser durchzustehen, gehört daher bereits in das Erstgespräch.

 Bücherhinweis

 

 

Wischmann T, Thorn P: Kinderwunsch? Beratung! Perspektiven der psychosozialen

Kinderwunschberatung in Deutschland. FamART 2018

Thorn P, Wischmann T, Quitmann S, Dorn A: Psychosoziale Kinderwunschberatung. Fortbildungsmanual. FamART 2018

Wischmann T: Einführung Reproduktionsmedizin. Reinhardt 2012

Wallraff D, Thorn P, Wischmann T: Kinderwunsch – der Ratgeber des BKiD. Kohlhammer 2014

Thorn P.: Psychosoziale Kinderwunschberatung im Rahmen der Gametenspende. Fortbildungsmanual. FamART 2014

Thorn P, Wischmann T: Leitlinien für die psychosoziale Beratung bei Gametenspende. (www.bkid.de)

Thorn P, Wischmann T: Leitlinien „Psychosoziale Beratung für Frauen und Männer, die eine Behandlung im Ausland beabsichtigen. (www.bkid.de)

 

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Postfach 22 11 37
55050 Mainz

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